Bericht vom Staufer-Open

Bericht vom Staufer-Open

So hier der versprochene Bericht vom Staufer-Open:

Nachdem wir gut und rechtzeitig angekommen waren, begann mit etwas Verspätung auch schon die 1. Runde. Während ich mit Weiß gegen Hannelore Gheng (junges Mädchen Elo 1670 / DWZ 1464) einen Pflichtpunkt erzielen musste, hatte es Daniel schon ungleich schwerer. Sein Gegner, Manfred Herbolt hat eine Elo von 2151 und er musste sich ihm am Ende geschlagen geben, während ich durch einen taktischen Trick eine Figur, in einer sehr einseitig orientierten Partie, gewann und somit auch den ganzen Punkt holte.

In der zweiten Runde durfte ich dann mit Schwarz gegen Hermann Schlötterer (Elo 1951 DWZ 1823) ran. Da ich ihn persönlich kenne – er ist der Vater von Florian Wagner – nicht unbedingt eine Traumpaarung. Ich hoffte darauf, dass er wenigsten 1.e4 spielen würde, da ich zur Zeit mit 1.d4 etwas Probleme als Schwarzer habe, wurde allerdings eines besseren belehrt, als er den Damenbauern zwei Felder vorschob. Nach der Eröffnung hatte ich dann ein etwas schlechteres, aber gut spielbares Mittelspiel, in dem ich, wieder durch einen taktischen Trick, die Qualität gewann. Er wollte jedoch meinen Springer nicht wieder nehmen sondern opferte diesen, wodurch ich zwar einen Turm mehr, allerdings keinen Königsflügel mehr hatte und er ziemlich viel Gegenspiel bekam. Fünfzehn Züge später hatte ich mich allerdings konsolidiert und konnte meinen Gegner dank des Mehrturms mattsetzen.
Auch Daniel erkämpfte sich mit Weiß gegen Gilbert Stephan (DWZ 826) seinen ersten Punkt.

Am nächsten Tag wachte ich erstmal mit höllischen Halsschmerzen auf, die sich zu meinem Husten gesellten und die das Reden nicht unbedingt einfacher machten.
In der Früh hatte Daniel mit Joachim Kitzberger wieder einen Spieler mit über 2000Elo (DWZ 1981)  und somit ein schweres Los. Er fand mit Schwarz im Mittelspiel nicht den richtigen Plan und musste nach langer Verteidigung die Waffen strecken.
Auch ich hatte einen stärkeren Gegner in Florian Armbrust (Elo 2321 / DWZ 2311), den ich wiederum kannte (wir hatten in Dresden zusammen Doppelkopf gespielt). Nachdem ich nach 9 Zügen leicht besser stand, nach nahm ich sein Remisangebot an, in der Hoffnung, dass meine Erkältung etwas besser werden würde und ich frisch in die Nachmittags-Partie gehen könne.

Als wir in der Mittagspause feststellten, dass Daniel gegen Rene Rieber (Elo 2037 / DWZ 1883) spielen durfte, und ich wusste, dass dieser gerne zu ungewöhnlichen Varianten greift, bereiteten wir uns auf gut Glück auf 4. … Dh4 im Schotten vor. Die Theorie fanden wir dann auch in einem Buch am Bücherstand 😉 Glücklicherweise kam genau diese Variante auch aufs Brett und Daniel konnte nach 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.d4 exd4 4.Sxd4 Dh4 5.Sc3 Lb4 6.Le2 Dxe4 7.Sdb5 La5?? 8.Sxc7+! die Qualität gewinnen (Ich lege diese Variante übrigens allen Schottisch-Spielern ans Herz die nicht wissen, was sie auf 4. … Dh4 machen sollen).  Daniel spielte sehr konzentriert und schön, übersah zwar im Endspiel den direkten Gewinn zweimal und endete schließlich doch in einer total gewonnen Stellung, in der er jedoch den Gewinnplan nicht fand und einigte sich deshalb mit seinem Gegner auf Remis.
Ich hatte als Gegner meinen nächsten FM, Benjamin Tereick (Elo 2352 / DWZ 2317). Dieser hatte noch zwei Rechnungen mit mir zu begleichen (2004 hatte ich ihm den WM-Platz auf der Deutschen geklaut und 2005 ebenfalls dort, in einer total wirren Partie gewonnen). Es sollte also eine Partie werden die einen Sieger fand. Den hatte sie eigentlich auch nach der Eröffnung schon gefunden, als ich mit Schwarz (wiedermal kein 1.e4) in einer Stellung landete die viel Spaß versprach…allerdings nur einem…Weiß. Ich konnte mich jedoch herauswinden und gelangte in ein Mittelspiel welches tot-remis war. Ich wickelte jedoch in ein Endpsiel ab, das ich ebenfalls für total ausgeglichen hielt, welches jedoch einfach völlig verloren war.

Nachdem meine Halsschmerzen dank der Tabletten, die Marion (Daniels Mutter) für mich gekauft hatte (Vielen Dank nochmals an dieser Stelle!) am nächsten Morgen besser waren, lief dafür die Nase umso schlimmer und auch mein Husten war, trotz mitgebrachtem Hustensaft, schlechter geworden.
Daniel verlor mit Schwarz gegen Stephan Michel (Elo 1986 / DWZ 1915) seine Partie (mehr weiß ich leider nicht mehr, sorry), während ich eine schöne Angriffs-Partie spielte, in der ich allerdings vergaß einmal auf e5 zwischen zu tauschen und so plötzlich mit zwei Bauern weniger dastand. Allerdings hatte ich sehr viel Gegenspiel und da mein Gegner, Gerhard Jung (Elo 1962 / DWZ 2015) auch sehr viel Zeit verbraucht hatte, stand ich kurz vor der Zeitkontrolle wieder sehr gut, opferte die Dame und mein Gegner fand sich in einer völlig hoffnungslosen Stellung wieder, in der er Matt gesetzt wurde.

Nachmittags durfte Daniel gegen Vasily Krivoborodov, einen Gegner ohne DWZ heran, stand zwischenzeitlich völlig auf Verlust, gewann dann jedoch durch einige taktische Tricks Material und gewann schließlich. Ich durfte gegen einen weiteren Jugendspieler (12 Jahre), Andreas Bauer (Elo 2005 / DWZ 1887) heran. Ich freute mich schon,als dieser mit 1.e4 begann, endlich mal Französisch! Aber so wie ich das entstehende Mittelspiel misshandelte verwunderte es mich nicht, dass ich am Ende völlig auch Verlust stand und die weiße Fahne hisste. Im Übrigen sei auch hier am Rande erwähnt, dass ich vergaß auf d4 einmal zwischen zu nehmen.

Wieder ein neuer Morgen…und die alten Beschwerden, Schnupfen, Husten, Niesen und Kopfweh. Glücklicherweise muss man zum Schachspielen nicht gesund sein (*Achtung Ironie*). Vormittags hatte ich wieder Weiß. Damit lief es sowohl bei mir als auch bei Daniel deutlich besser. (Daniel mit Weiß 2,5/3 mit Schwarz 0/3 ; Ich mit Weiß 2,5/3 mit Schwarz 1/3). So konnte ich auch diese Weiß-Partie gewinnen. Nachdem ich es mit einigen taktischen Tricks und Kniffen geschafft hatte, dass mein Gegner, Daniel Klaus (Elo 2013 / DWZ 19319 meinen Springer nicht fangen konnte, fing ich direkt seinen, als er einen Bauern deckte und gewann darauf auch sicher die Partie. Daniel erkämpfte sich seinen ersten halben Punkt mit Schwarz im Pirc gegen Sebastian Kirsch (Elo 1886 / DWZ 1827), nachdem er zwar zuerst völlig platt stand, dann jedoch taktisch einen Bauern gewinnen konnte, jedoch nicht wusste wie man die resultierende Stellung denn gewinnen kann.

Nachmittags hatten wir beide dann Schwarz, kein gutes Omen. Daniel, der gegen Hakan Horata (Elo 2005 / DWZ 1844)  nach einer missglückten Eröffnung tapfer kämpfte, erhielt eine sehr schöne Stellung. Allerdings ließ er leider ständig den sicheren Gewinn aus und nahm in am Ende einen „vergifteten Turm“ (ja sowas gibts auch 😉 ) und verlor unglücklich, denn selbst diese Stellung war noch total gewonnen. Schade! Ich freute mich mal wieder wie ein Schnitzel, als mein Gegner, Rüdiger-Thomas Braun (Elo 1926 / DWZ 1876)  mit 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sd2 Sc6!? 4.c3 eröffnete, doch spielte dann wieder mal wie ein kleines Kind Schach, welches einfach alle Bauern rausschlägt die es kann. So hatte ich zwar nach der Eröffnung einen Bauern mehr, aber ca 5 Tempi weniger. Ich bot Damentausch an, welchen mein Gegner glücklicherweise ablehnte (Das Endspiel wäre völlig verloren gewesen) und danach stand ich wieder besser und gewann in seiner Zeitnot auch noch eine Qualität und somit auch kurz darauf die Partie.

So auf gehts letzte Runde!
Daniel durfte gegen Tilmann Humburg (DWZ 1250) ran und hatte Weiß, also gute Aussichten auf einen ganzen Punkt. Er spielte auch sehr schön und gewann drei Bauern, allerdings stand sein König sehr schlecht und er musste nach einigem hin und her in ein Remis einwilligen. Ich hatte mit Alexander Postojev (Elo 2368 / DWZ 2318) meinen dritten FM. Nachdem ich mir natürlich nicht die Gelegenheit nehmen lassen konnte erst auf e6 und dann auf g6 insgesamt 2 Figuren zu investieren, stellte ich fest, dass ich doch etwas wenig Kompensation hatte – insgesamt nur 4 Bauern. Allerdings hatte ich einen starken Läufer und meine Gegner keinen einzigen Königsflügelbauern mehr. Er konnte jedoch für den Preis eines weiteren Bauern die Damen vom Brett verschwinden lassen und wir hatten nun ein Endspiel mit 7Bauern + Turm + Springer gegen 2 Bauern 2Springer 1Läufer und 1 Turm. Sehr komische Materialverteilung. Letztendlich kam dann ein Endspiel mit 7Bauern gegen 2Bauern und 2 Springer heraus. Ich fühlte mich recht zuversichtlich, hatte allerdings immer etwas mit der Zeit zu kämpfen. Letztendlich konnte ich einen Springer fangen, allerdings bekam er drei Bauern dafür. Daraufhin konnte ich noch seine beiden Bauern auflösen und wir einigten uns auf ein Remis. Alles in allem eine sehr schöne, ausgekämpfte Partie => kommt noch online!

Letzendlich bleibt zu sagen, ein sehr schönes Turnier und das erste Mal, dass ich keine ~60 DWZ verliere 🙂 Auch für Daniel dürfte das Turnier ein voller Erfolg gewesen sein, auch wenn ~ein Punkt mehr sicher drin gewesen wäre. Aber das wird schon! 🙂 Nochmals vielen Dank an Marion und auch Timo Weber, die mich 2mal Abends abgeholt haben und auch für die Unterstützung von Marion mit Medikamenten, sodass ich mich um diese nicht kümmern musste! 🙂

p.s. Partien kommen noch

p.p.s Rechtschreibfehler werden auch noch ausgebessert, bis dies geschieht gilt: „Wer welche findet darf sie gerne behalten“ 😉

6 Kommentare

Klaus Veröffentlicht am11:05 - 9. Januar 2009

Super Bericht! Jetzt fehlen noch die angekündigten Partien. Ich denke, dass sich Daniel in dem Turnier auf ca. 1520 DWZ verbessert haben dürfte. Super Leistung!

Alfred Witt Veröffentlicht am18:53 - 9. Januar 2009

Wirklich toller Bericht, macht Spass zu lesen. Herzliche Gratulation für dieses Durchhaltevermögen und Euer gutes Abschneiden – trotz aller körperlichen Randerscheinungen. Man merkt, dass Euch Schach richtig Freude macht. – Ich werde mir gelegentlich die Partien ansehen und mir ein paar Tricks abschauen.

thomas.lutz Veröffentlicht am00:58 - 10. Januar 2009

Sehr schöner Bericht, herzlichen Glückwunsch nochmal zu deiner Leistung! 🙂

Wegen den Partien habe ich dir bereits geschrieben, bei Problemen einfach nochmal melden.

Prophet Veröffentlicht am21:24 - 10. Januar 2009

Glückwunsch Christoph,
ich sage dir eine großartige schachliche Zukunft vorraus.
@ Alfred Witt: Das mit dem „Tricks abschauen wird wohl nix, da ein so starker Spieler wie Christoph nicht mit Tricks arbeitet..Da müssen sie wohl an ihrer schachlichen Grundsubstanz arbeiten!
Bei Interesse biete ich ihnen Schachtraining an!

Tilmann Humburg Veröffentlicht am22:46 - 11. Januar 2009

Hallo, Ihr lieben Schachfreudne aus dem schönen Bayern !
Bin ja beeindruckt und überrascht, dass ich auf Eurer Seite „verewigt“ bin und mich völlig ahnungslos dort wiederfinde.
Es war ein schönes Spiel, und ich bin tatsächlich etwas glücklich zu meinem Remis gegen Daniel Weber gekommen. Ich war in großer „Zeitnot“, da mein Zug nach Hamburg bald fuhr. Schöne Grüße an ihn und weiterhin viel Freude am königlichen Spiel !! Tilmann Humburg (Niedersachsen)

klaus.boese Veröffentlicht am20:35 - 12. Januar 2009

Lieber Schachfreund,
vielen Dank für den netten Kommentar und das Lob für unseren 12-jährigen Nachwuchsspieler Daniel.